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interview mit Jethro D. Gründer

Jethro, wie bist Du auf die Idee gekommen, ein Stück über Luthers Entführung zu verfassen?

Ich bekam eine Anfrage der Stadt Bad Liebenstein, ob ich mir vorstellen konnte, ein Stück über Luther zu diesem Thema zu verfassen und zu inszenieren. Ich konnte es. Die Stadt war vorbereitet, ich habe erklärt wie es gehen könnte. Und zugesagt.

Auf welche historischen Fakten hast Du Dich bei deiner Recherche während des Verfassens gestützt?

Auf alle, die ich durch meine bisherige Arbeiten in Eisenach über Luther kannte, plus jene, welche mir freundlicherweise durch Interessierte der Stadt und Region zur Verfügung gestellt wurden. Zum Beispiel durch Christoph M. Neumann. Überdies stapeln sich bei mir mittlerweile die Bücher über und von Luther.

Einige der Darsteller befürworten, dass Du Luther als Menschen zeichnest – mit Ecken und Kanten. War Dir das besonders wichtig?

Auf jeden Fall. Theater ist nicht da, um irgendwelche Helden zu beweihräuchern. Mich interessiert immer der Mensch hinter dem Denkmal. Den Zuschauer auch, denke ich. Das macht die Sache ja so spannend.

Denkst Du, dass Luther derzeit zu einem Helden verklärt wird?

Ja. Glücklicherweise nicht nur. Ich freue mich auch sehr über die kritischen Stimmen. Der arme Mann kann sich ja ohnehin nicht mehr wehren. Weder gegen seine Lobhudeleien noch gegen seine schärfsten Kritiker. Das eine ist so einseitig, wie das andere und wird dem Menschen Luther selten gerecht.

Wie ist es Dir gelungen, die Darsteller zu finden?

Neben zwei weiteren Profis sind die restlichen Darsteller, vornehmlich noch Laien, die die Stadt Bad Liebenstein aus Interessierten der Umgebung rekrutiert. Auf diese gemeinsame Arbeit freue ich mich am meisten. Das wird spannend.

Ist es eine besondere Herausforderung für Dich, mit Laiendarstellern zu arbeiten?

Wie gesagt, es ist immer interessant schlafende Talente zu wecken. Nicht ohne Anstrengung, doch in der Regel eine sehr dankbare Arbeit und mir alles andere als neu.

Was zeichnet Deine Regie-Arbeit aus?

Das musst du schon die Darsteller und Zuschauer fragen. Fakt ist, es gibt bei mir keine Stars. Jeder Darsteller, jede Darstellerin, jeder Techniker oder Requisiteur zählt gleich viel. Wir sind ein Team, auch wenn einer im Zweifelsfall mal auf den Tisch hauen muss und letztendlich entscheidet. Der Böse bin dann wohl ich.

Du führst nicht nur Regie, sondern bist gleichzeitig auch Hauptdarsteller. Bringt das Schwierigkeiten mit sich?

Ohne Ende, du kannst dir nicht vorstellen wie viele. Das wollte ich so auch nicht, aber meine Favoriten für die Titelrolle konnten leider nicht. Also muss ich selbst in den süßsauren Apfel beißen und doppelt, nein, dreifach vorbereitet sein. Und meinen Mitspielern vertrauen. Und dem Plan in meinem Kopf. Glücklicherweise kenne ich solche Situationen, sich selbst und ein komplettes Ensemble zu inszenieren. Aber ich weiß, die grauen Haare auf meinem Kopf werden sich verdoppeln. Moment mal, geht das überhaupt noch?

Was ist an Luthers Entführung so „typisch Gründer“?

Wie soll ich das jetzt schon wissen? Außer dem Skript? Ich kann nur Gründer, wenn ich ein Genie wäre, würde ich ja Shakespeare heißen. Das sehen wir dann auf der Bühne. Ich hoffe, so wie ich es liebe, pralles Theater für Hirn und Herz. Frech und frei, respektvoll doch nicht untertänig, lustig und traurig. Wie das Leben.

Welche Gefühle und Gedanken soll dein Stück bei den Zuschauern hervorrufen?

Das kann man nicht planen. Ich kann nur hoffen, sie zu bewegen. Zum Schmunzeln, zum Träumen, zum Nachdenken, zum Traurig sein, zum wieder Lachen und vielleicht wieder traurig sein. Was auch immer. Sie sollen rausgehen und bewegt sein. Sie müssen nicht begeistert sein, aber es wäre natürlich schön. Sie dürfen auch sauer sein, von mir aus stinksauer. Aber hoffentlich nicht gleichgültig. Dann hätte ich etwas Entscheidendes falsch gemacht. Wir sind nur Diener für unser Publikum, wir unterhalten. Indem wir den Zuschauern den Spiegel vorhalten. Wie im Leben!

Die Fragen stellte Felix Rappsilber.

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